Nachrufe

Auch Abschiede von geschätzten und geachteten Menschen, mit denen wir eine Strecke unseres Lebenswegs zurückgelegt haben, gehören zum Wesen unserer Schulfamilie. Wir sind dankbar für die Jahre, die sie mit uns zusammen gewirkt haben, und bewahren ihnen ein ehrendes Andenken in der gemeinsamen christlichen Hoffnung auf die Auferstehung.

Heinz Henning

Geboren am 14.11. 1928 in Neustettin (Pommern, heute Polen), musste Heinz Henning seine Schullaufbahn zunächst mit dem Realschulabschluss beenden, um als 16-jähriger in Kiel als Marinehelfer zu dienen. Nach Krieg und Vertreibung aus Pommern fand die Familie in Kiel zusammen. Dort absolvierte Heinz Henning eine Landwirtschaftslehre und studierte dann an der Höheren Landaufbauschule in Schleswig Landwirtschaft. Durch seine Mutter kam er mit der Adventgemeinde in Berührung. Im März 1948 wurde er getauft. Er verspürte den Ruf Gottes, das gerade wieder eröffnete Prediger- und Missionsseminar Neandertal (bei Mettmann) des Westdeutschen Verbandes der Siebenten-Tags-Adventisten zu besuchen. In der Gärtnerei des Seminars und durch Kleinviehhaltung konnte er mit seinen Fähigkeiten als Landwirt sein Studium finanzieren.

1952 bis 1954 wirkte er als Probe- bzw. Hilfsprediger im Bezirk Bielefeld (1958 erfolgte die Einsegnung als Prediger). Danach ließ er sich beurlauben, um auf der Marienhöhe sein Abitur (1956) nachzuholen. Anschließend hatte er die Möglichkeit, in der Internatsleitung und als Religionslehrer am Gymnasium zu arbeiten und gleichzeitig sein Studium der Evangelischen Theologie, Geschichte und Erziehungswissenschaften an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main zu absolvieren (1956-1966). 1958 heiratet er Annelore Hopp. Ihnen wurden die Söhne Dietmar und Holger und die Töchter Ute und Kerstin geboren. Nach zwei Jahren Referendarzeit 1966-1968 und der 2. Staatsprüfung für das Höhere Lehramt unterrichtete er ab 1968 in Vollzeit am Gymnasium Marienhöhe und später auch als Dozent für Neues Testament am Theologischen Seminar.1972 erhielt er die Berufung zum Leiter des Gymnasiums in der Nachfolge von Emmanuel Mayer, 1973-1982 war er Leiter des Theologischen Seminars, 1973-1991 zudem Gesamtleiter der Marienhöhe.

Heinz Henning hat auf seine unnachahmliche Art die Marienhöhe in einer schwierigen Zeit des großen gesellschaftlichen Umbruchs geführt. Es galt, die unterschiedlichen Interessen von Seiten des Staates, der adventistischen Kirchenleitung, dem Kollegium des Gymnasiums, dem Kollegium des Theologischen Seminars, der Internate, der Adventgemeinde Marienhöhe, der adventistischen Gemeinden und Pastorenschaft in der Bundesrepublik, der Schülereltern, der Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums und des Kollegs sowie der Studierenden des Theologischen Seminars auszubalancieren. Das gelang ihm durch seine verbindende, optimistische Art. Er hatte einen Blick für Menschen, ermutigte viele und konnte „reifen“ lassen. Sein Spitzname war „Smiley“. Seine fröhliche, zuversichtliche Ausstrahlung verbarg nicht selten den geschickten Verhandlungspartner und beharrlichen, weit über das übliche Maß hinaus arbeitenden Vorgesetzten, der überall Vertrauen aufbauen konnte. Er war erfolgreich dabei, dass Kinder die Möglichkeit bekamen, das Marienhöher Gymnasium zu besuchen. Wenn schulische Leistungen oder Finanzen einen Besuch der Marienhöhe als Schule auszuschließen schien, fand er oft Wege, dies zu ermöglichen. Es wurden Nachschulungen und -prüfungen angeboten, und er beriet Eltern und Schüler bezüglich BaföG. Sein Glaube war tief von der Rechtfertigungslehre Luthers geprägt; in seinen Leistungskursen Religion las er den gesamten Römerbrief, was viele Schülerinnen und Schüler maßgeblich prägte.

Heinz Henning, das zeichnet wirklich selbstbewusste Menschen aus, hatte keine Probleme loszulassen, und so ging er 1991 mit 62 Jahren in den aktiven Ruhestand. Er hatte in Schnega (Niedersachsen) einen Bauernhof (Resthof) erworben und genoss eine Reihe von Jahren seine Liebe zur Landwirtschaft - der Hof war aber auch ein Platz der Bildung und der vielfältigen Sozialarbeit mit zumeist jungen Menschen. Auch darüber hinaus war Heinz Hennig vielfältig aktiv. Schon 1990 war er Gründungsmitglied von ASI Deutschland (Vereinigung adventistischer selbstunterhaltender Institutionen, Unternehmen und Missionsgruppen e.V.) und leitete als erster Vorstand ASI bis 2003.

Er kümmerte sich um den Weiterbau einer adventistischen Schule in Kirgistan. Er war beratend tätig z. B. was Erarbeitung von Lehrplänen etc. angeht. Die Schule konnte erweitert werden und am 1. September 2017 das 20jährige Bestehen feiern.

2014 hatte er eine schwere Herzklappenentzündung, erholte sich aber so weit, dass er bis wenige Wochen vor seinem Tod noch selbstständig gehen konnte, auch wenn die Strecken immer kürzer wurden. Bis zuletzt war er theologisch interessiert und wollte ein Buch zur Johannesoffenbarung schreiben, das er nicht vollenden konnte.

Nach einem erfüllten Leben wurde Heinz Henning im Alter von 91 Jahren am 10.03.2020 zur Ruhe gelegt. Heinz Henning verstarb an seinem letzten Wohnort Bergen an der Dumme im Kreis Lüchow Dannenberg.

Walter Bromba/Christian Noack

Günter Faust

Günter Faust, geboren am 23.07.1935 in Gelsenkirchen, erlernte nach der Volksschule zunächst das Schlosserhandwerk und arbeitete zwei Jahre als Schlosser. Dann entschied er sich, sich auf der Marienhöhe zum Pastor ausbilden zu lassen. Sein Studium unterbrach er nach den ersten zwei Jahren, um erst einmal das Abitur zu machen. Als erfolgreicher Abiturient (1961) setzte er das Theologiestudium fort und schloss es 1963 ab. Drei Jahre war er dann als Predigtamtsanwärter in Neuwied am Rhein aktiv. Das Interesse, seinen Bildungsweg weiterzugehen, war groß, und so studierte von 1966-71 Musik und Germanistik in Mainz. 1969 heiratete er Ingrid (geb. Petersen), 1970 wurde ihnen Martina (jetzt: Zeidler-Krist) geboren. Das Referendariat, damals 13 Monate lang, absolvierte er erfolgreich von 1971-1972. 1975 wurde er zum Studienrat, 1982 zum Oberstudienrat ernannt. Auf der Marienhöhe begann er seine Unterrichtstätigkeit 1968 als Student mit dem Fach Musik, vollzeitlich war er dann bei uns ab dem 01.02.1972 angestellt. Ende Juli 1997 wurde er in den Ruhestand versetzt, arbeitete dann aber noch drei Jahre in Teilzeit bis zum Sommer 2000.

Neben seinem Unterricht wirkte Günter Faust als Chorleiter, Orchesterleiter sowie als Veranstalter der Marienhöher Schülerkonzerte und war verantwortlicher Redakteur der Festschrift zum 75jährigen Jubiläum der Marienhöher (1999).

Als Lehrer zeichnete ihn eine ruhige und sachliche Persönlichkeitsstruktur aus. Auffällig waren seine Zurückhaltung und Bescheidenheit. Im Unterricht legte er Wert auf eine überlegte, die Schülerinnen und Schüler einbeziehende Gesprächsführung. Nie stellte er seine Person in den Vordergrund, auch im Unterricht nicht. Er ließ den Schülerinnen und Schülern viel Raum, eigene Schlüsse zu ziehen und Gedanken zu entwickeln. Er hatte auch ein Gespür für individuelle Bedürfnisse und Sorgen von Schülern. Ein ehemaliger Schüler berichtet, dass er ihn mit seinem Freund eine Klausur vorschreiben ließ, weil sie privat unbedingt eine Person im Ausland aufsuchten mussten. Er vertraute ihnen, dass sie ehrlich arbeiteten und niemandem etwas von der Klausur sagten, und sein Vertrauen wurde nicht enttäuscht.

Als ich bei ihm Mitte der 70er Jahre Musikunterricht hatte und meine Vorliebe für Pop- und Rockmusik entwickelte, durfte ich bei ihm, dem großen Klassikliebhaber und Leiter des Schülerorchesters, im Unterricht den Song „Child in Time“ von Deep Durple in einem Referat vorstellen. Für mich ein ganz wichtiger Moment der Freiheit und Toleranz.

Mitfühlend hat ihn ein Abiturient erlebt. Eine sehr geliebte Person war gestorben. Der Schüler nahm am Unterricht teil, erzählt den Mitschülern nicht von seiner Trauer, war aber innerlich völlig aufgelöst und untröstlich. „Nach der Deutschstunde“, so berichtet er, „wir waren die beiden letzten im Raum, kam Günter Faust zu mir, nahm mich in den Arm, und versuchte, mir ein paar tröstende, liebe Worte zu sagen. Er hatte als einziger bemerkt, was in diesem Moment in mir vorging. Er war ein angenehm ruhiger, bescheidener und sehr mitfühlender Mensch. Er hat mir in seiner lieben Art Dinge nähergebracht, die mich anfänglich eigentlich gar nicht so richtig interessierten, Dinge wie klassische Musik, Gesang, die Feinheiten der deutschen Sprache und die Worte großer Dichter. Ich denke, das ist es, was das Wesen eines wirklich guten Lehrers ausmacht, seinen Schülern etwas für das ganze Leben mitzugeben, sie im Wissen und im Wesen ein Stück reicher zu machen. Er wird bis an das Ende meiner Tage einen Platz in meinem Herzen haben.“

Günter Faust verstarb am 9. März 2020 im Alter von 84 Jahren.

Christian Noack